venedig

P5130330

 

Global Art Affairs Foundation
“PERSONAL STRUCTURES – Crossing Borders”
European Cultural Centre, Venice 2015
ISBN 978-94-90784-18-8

 

 

 

Xenia Hausner
Ich bleibe mir selbst ein Rätsel
Meine Bilder erzählen Geschichten die sich einer eindeutigen Lesbarkeit entziehen. West und Ost – was auf den ersten Blick wirkt wie Momentaufnahmen aus dem Alltag, ist in Wahrheit eine mehrfach ­gebrochene und reflektierte Perspektive auf das Leben in einer Welt, in der die Kulturen miteinander verwoben sind. Ein asiatisches und ein europäisches Mädchen in Schuluniform verbunden durch ein globales Symbol des Kapitalismus, drei Westlerinnen vor einem nordkoreanischen Propagandaplakat, Menschen zwischen Kabelsträngen und Neonlichtern, zwischen Natur- und Großstadtzivilisation.
Es geht um seismographisches Erkennen, um wechselseitige Neugier und Anziehungskraft – um Szenen die nicht realistisch lesbar sind. Die Menschen spielen bei mir in fremden Biografien. Sie sind wie Schauspieler in einem Stück besetzt, ich schreibe das Stück und suche mir dann die Protagonisten für den Stoff der in mir angelegt ist. Das ist oft rekonstruktiv sehr aufwendig, meine Malerei lebt von einem „fleischlichen“ Moment von einer Triebautomatik und sinnlichen Unterfütterung des Sehens und Umsetzens.
Es ist nicht mein Anliegen eindeutige Lösungen zu präsentieren, sondern eine Präzision im Fragment. In diesen Bruchstücken gibt es eine geschärfte oder herausgefilterte Botschaft, deren Rätsel ich nicht lösen kann. Dabei versuche ich, eine innere Wesentlichkeit zu erwischen. Die Situationen sind nicht eindeutig, aber der Betrachter kann sie trotzdem verstehen, weil er davon betroffen ist – er liest das Bild mit seinem eigenen Lebensfundus. Je mehr Fragen das Bild durch seine Widersprüchlichkeit beim Betrachter in Gang setzt, desto näher komme ich meinem Ziel. Ich bleibe mir selbst ein Rätsel.

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