Rätselraum fremde Frau

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XENIA HAUSNER
RÄTSELRAUM FREMDE FRAU

Braus Verlag, Heidelberg 1990
ISBN-10: 3-92583-548-2

 

 

 

Knut Boeser
Auf der Suche nach möglichen Orten
(…) Ihre Lieblingsfigur ist das Oxymoron – die Lieblingsfigur aller manieristischen Künstler. Kaltes Feuer, flüssiger Stein, heißer Schnee – die Verbindung des Gegensätzlichen, die konzentrierte Vereinigung all dessen, was chaotisch auseinanderstrebt, sich nicht vermischen will, sich abstößt und fremd bleiben will, ist Ziel ihrer Arbeiten. Diese Widersprüche haben mit ihrer Person zu tun. Ihr ganzes Wesen, alle ihre Äußerungen, sind extrem. Sie ist hin- und hergerissen zwischen protestantischem Arbeitsethos und schierer Unvernunft. Der Versuch, die eigenen Vorstellungen rigoros durchzusetzen kostet Sympathien und provoziert häufig Widerstände, die sie wiederum rhetorisch ausficht. Unökonomisch viel Kraft wird zur Überwindung von Schwierigkeiten verwendet. Unbescheiden legt sie auf Popularität keinen großen Wert. Das analytisch-kriminalistische Zurückverfolgen von Kausalzusammenhängen führt meist zu Verletzungen der eigenen Person. Sie ist ein wunderbares Beispiel für die Richtigkeit der Theorie des alten Shandy, der in Sternes Roman darauf hinweist, wie stark die Namen auf die Entwicklung der so Benannten einwirken. Xenia heißt sie – und das heißt in erster Linie die Fremde.
Ihre ersten Arbeiten waren Materialcollagen. Wir waren in Abbruchhäusern, in alte Fabriken, auf Schrottplätzen, auf Müllkippen. Von dort holte sie ihr Rohmaterial. (…) Aus all dem montierte sie ihre Räume, die von der Spannung zwischen naturalistischer Akribie und abstrakter Chiffre, zwischen Milieu und Psychologie, zwischen Authentizität und Erfindung, zwischen Geschichte und Aktualität lebten.(…)
Im Lauf der Zeit hat sich ihre Arbeitsweise verändert. Der Materialwiderspruch als Idee an sich, ist in den Hintergrund getreten. Die Räume sind klarer, die Verrätselung aber ist gleichzeitig komplizierter geworden. Die Räume sind aus der Achse gerutscht. Das Koordinatensystem der vertrauten Ordnung hat seine definierte Verläßlichkeit verloren. (…) Bilder aus der Logik der Träume, Bilder, die mit den geheimen Zentren der Stücke und mit den widersprüchlichsten Alltagserfahrungen im Dialog sind, die ihre Kraft aus verschiedenen Zeiten und Assoziationsketten beziehen, sind jetzt der Rohstoff ihrer Erfindungen. Die Bilder sind vertraut und fremd zugleich. Das macht ihren eigenartigen Rätselcharakter aus. Man wird in sie hineingezogen und erlebt, daß man sich in fremder Gegend ganz unvertraut nahe kommen kann.

Xenia Hausner
Von der Liebe zum Theater
(…) Mein Blick richtet sich auf das Inwändige. Mit dem Regisseur eine Sicht auf einen Stoff zu entwickeln, sie lustvoll weiterverfolgen, bis sie dann in einem intimen Umsetzungsprozeß zu Bild wird, ist das. Herzstück der Arbeit. (…) Das Ineinandergreifen dieser beiden Phantasien ist eine besonders empfindliche Stelle, und entscheidet darüber, ob das künstlerische Verständnis und die produktive Kontroverse von Bühnenbildner und Regisseur zu einer gemeinsamen inhaltlichen und ästhetischen Vorstellung führen. (…) Die Annäherung an einen Stoff vollzieht sich zunächst (…) meist über assoziative Reizworte. Die Herausforderung besteht darin, ein solches Reizwort aufzugreifen, in sich abzulagern und so lange in die eigene Seelenflüssigkeit zu tauchen, bis daraus Bildsprache wird. Da gibt es überraschende Ergebnisse, weil die optische Lösung oft in sehr verwandelter Gestalt das vorausgegangene Gespräch wiedergibt, damit aber dessen Quintessenz um so deutlicher macht. Oder aber es ist umgekehrt: ein Bildeinfall wird zum Ausgangspunkt der Überlegungen und lenkt den Blick des Regisseurs in eine ganz neue Richtung. Das Ganze ist ein dialektischer Prozeß. (…) Zwischen Wort und Bild liegt noch ein wesentliches Stück Geheimnis. In dem treibe ich mich am liebsten herum.

Bühnenbild "Der ferne Klang"

Bühnenbild “Der ferne Klang”

 

 

 

 

 

 

 

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