Liebesfragmente

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XENIA HAUSNER
LIEBESFRAGMENTE

Wienand Verlag, Köln 1997
ISBN 3-87909-394-6

Mit Beiträgen von Herwig Guratzsch, Britta Schmitz, Günther Engelhard und einem Grußwort von Ursula Paterk und Gerald Matt

 

Günter Engelhard
Rendezvous der Skorpione
Die expressive Bildniskunst der Xenia Hausner
(…) Wer hängt sich schon einen fremden Kopf an die Wand? Wenn Xenia Hausner das hört, hat der Fragesteller bereits seinen Konkurs in artibus angemeldet. Der rhetorisch versteckte Vorwurf, gern formuliert von Deutungsexperten der Objektkunst und des spekulativen Designs, enthält das Eingeständnis des blockierten Wahrnehmungsvermögens beim Anblick von Malerei – als setze schon das Erscheinen eines erkennbaren Menschen der Bildbetrachtung Grenzen. »Augenfällige Inhalte können zweifellos belastend sein«, gibt die Malerin zu, »aber es ist doch andererseits seltsam, daß man Inhalte auf Biegen und Brechen in ein Bild hineinkonstruiert, sobald sie dort nicht ersichtlich sind.« In der abschätzigen Frage, wer sich denn schon einen Kopf hinhänge, ist auch die Kapitulation vor der Intensität des gelungenen Portraits enthalten: Erlebnisse, erst recht die erlebte Autonomie eines menschlichen Gesichts, behindern das Spekulieren. Einige sehen gleich gar keine Malerei mehr; sie verdächtigen das Gesicht überdies, sich bewußt der kunstwissenschaftlichen Einordnung zu entziehen. Denn eigentlich hat der Maler ja schon alles geleistet. Er heizt nur noch die reine Neugier auf eine andere Existenz an. (…)
(Die Erstfassung des Textes ist in der April-Ausgabe 1997 der Zeitschrift »art – Das Kunstmagazin« veröffentlicht worden.)

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