XENIA HAUSNER – SOME HOPE

von Dr. Silvia Eiblmayr

Xenia Hausners Malerei hat ihren Ausgangspunkt in der Fotografie. Sie verschränkt auf vielschichtige Weise die Geschichte und das Potential dieser beiden Bildmedien miteinander, wobei sie in ihrer Malerei implizit nicht nur die Prinzipien der Fotografie, sondern in einer Art Verdichtungsprozess auch die des Films mit ins Spiel bringt. Hausner inszeniert die Fotos selbst, die ihr zur Grundlage der Malerei dienen. Die so produzierten Fotoszenarien, in denen eine oder mehrere Personen mitspielen, werden im Atelier rekonstruiert, manche erwecken den Eindruck, als stammten sie aus dem globalen Fundus von Medienbildern, so zum Beispiel Kim Jong Un mit Fernrohr am Grenzzaun in „Look Left – Look Right“.

Hausner setzt sich konzeptuell gewitzt mit der Tatsache auseinander, dass die vielfältigen und institutionalisierten Praktiken der Fotografie so beherrschend in die Alltagsästhetik eingegangen sind, dass sie nicht mehr bewusst wahrgenommen werden. Bei ihrem nun folgenden Schritt, der Umsetzung der Fotovorlage in Malerei, setzt sie bei einem Moment des Widerstandes an: „Ich habe ein Foto, das meinen Widerspruch erregt. Und dieser Widerspruch, der setzt mich in Gang. Ich male den Widerspruch zum Foto. Das ist der entscheidende Punkt.“ Dennoch kommen in diesem malerischen Procedere zunächst auch jene Methoden zum Tragen, die von der Fotografie oder eben auch vom Film definiert werden: Die Wahl des Ausschnitts, das Fragmentarische, die Montage, die durch die Farbe gesteuerte drastische Lichtregie und, damit zusammenhängend, die prononcierte Perspektive, wodurch der Raum verunklärt wird, was maßgeblich zum jeweiligen intensiv atmosphärischen Charakter der Bilder beiträgt. Ebenfalls mit dem Repertoire der technischen Bildmedien zu tun hat Hausners Umgang mit den spezifischen Formaten bzw. deren Proportionen, die sie gleichsam von acht mm bis zu CinemaScope ausdehnt. Weiter ist es der formale Bezug zur Großaufnahme, der für viele der Bilder bestimmend ist. Entscheidend jedoch ist, dass Hausner in ihren Bildern einen psychologischen, manchmal auch psychotischen Raum herstellt, in dem die Figuren wirken, als sei jede Bewegung und damit auch die Zeit angehalten. Hausner baut, einem komprimierten Schnittverfahren vergleichbar, ein dramaturgisches Spannungsmoment ein, bei dem, alles darauf zu drängen scheint, dass dem Bild mit dem irritierend unbekannten “plot“ ein nächstes folgt, das dessen Rätsel enthüllt, was aber eben nicht der Fall ist. Hausner erzeugt und forciert dieses befremdende Gefühl des Entzugs durch eine Dramatisierung ihrer Sujets mit ihren malerischen Mitteln: Zum einen ikonografisch, indem sie formale Elemente zusätzlich einfügt, Dinge oder Personen, durch die ein virtuelles Geschehen angedeutet wird, zum anderen durch die bereits angesprochene Komprimierung des Raums mittels Komposition und Licht, hier vor allem, durch die virtuos eingesetzte, akzentuierende Farbe, die gewissermaßen zum Agens der unterschiedlichen Empfindungen wird, die ihre Bildern hervorrufen.

Ständig jedoch — und hier offenbart sich die Art des dialektischen Verhältnisses, das Hausner zwischen Malerei und Fotografie aufrechterhält, — lässt die Künstlerin ihre Faszination mit der „Fotografie als das Andere der Kunst, als das Begehren der Kunst unserer Zeit“ (Rosalind Krauss)1 in aller Widerständigkeit sichtbar werden.

Das Spektakel, das verführerisch Narzisstische, Fetischistische und Voyeuristische, das die Fotografie (und den Film) seit ihrer Erfindung zum Massenmedium macht, wird von Hausner eben nicht unterschlagen, sondern mit gedacht, was es ihr ermöglicht, dazu auch wieder in Distanz zu gehen. Hausner führt das massenmediale Bild als Wunschmaschine vor, um diese an einem Punkt zu stoppen und das Illusorische dieser Maschine zur Schau zu stellen. Unterstrichen durch die Bildtitel, die sie montageartig wie Popelemente einsetzt, die an etwas bereits Bekanntes erinnern, aber alles offen lassen, konfrontiert Hausner das Publikum mit dessen imaginären Wünschen. In ihren Bildern ist beides eingeschrieben, das Genießen und zugleich dessen Nichterfüllung. In ihren Worten: „… ich bin nicht der Illustrator des Fotos, ich bin die Über-den-Haufen-Schmeißerin des Fotos.“

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